Con-Takt 2015, das College of Wizardry und das Schweizer LARP

LARP, das ist “Live Action Role Play”, Liverollenspiel. Dabei geht es darum in einer hypothetischen Welt eine erfundene Person zu spielen, und mit anderen Spielern die ebenfalls eigene erfundenen Personen, “Charakter” genannt, in derselben Welt darstellen, zu interagieren. Das Spektrum dieser Welten reicht von “Herr der Ringe” zu “USA in den 20er Jahren” bis zu “Battlestar Galactica”, und allem nur erdenklichen dazwischen. Und ich spiele und organisiere seit fast 20 Jahren LARP.

Dieses Wochenende war der erste LARP-Kongress in der Deutschschweiz, der Con-Takt 2015. In den Nordischen Ländern gibt es seit 1997 den Knutepunkt und in Deutschland seit 2006 den MittelPunkt. Aber in hier war dies das erste mal dass wir wirklich darüber geredet haben was wir da eigentlich tun, und was man tun könnte und wohin wir wollen.

Ich habe auf dem Con-Takt 2015 gleich zwei Referate gehalten, eins über die Geschichte des Schweizer LARP, das andere über Kampf und Regeln:

Die “Geschichte” war logischerweise eher rückblickend, so “mit was hats angefangen” bis zu “was haben wir eigentlich so tolles gemacht”. Wie wir festgestellt haben aber durchaus nicht abschliessend; ein Plan ist es im larpkalender.ch auch alle Spiele in der Deutschschweiz zu erfassen die vor 2005 stattgefunden haben um damit eine bessere Basis für historische wie auch statistische Arbeiten zu bekommen.

Was die “Geschichte” auch gezeigt hat, ist dass wir hier schon ein sehr breites Spektrum von Settings, Genres und Spielarten ausprobiert haben. Von Fantasy und Vampire über Steampunk und Cyberpunk zu Zombies, Plüschtieren und einem Gefängnis. Von Schatzsuchen und Weltrettungen zu Krimis, Dorfspielen und Stellvertreterkriegen. Von herkömmlichen “Viele Spieler, wenig NSC” zu “Wenig Spieler und viel NSC”-Railroading bis hin zu gecasteten Spielen mit komplett offener Handlung und alles dazwischen.

Eher in die Zukunft gewandt war der zweite Vortrag, in dem ich im wesentlichen Kämpfe angeschaut habe, wie sie funktionieren und wie sie durch Regeln modifiziert werden. Es ging vor allem darum den Leuten einerseits zu zeigen “so sind Regeln typischerweise jetzt, das sind die Auswirkungen” und andererseits auch aufzuzeigen “Wir können die (fast) beliebig ändern”.

Die weiteren Referate (und hoffentlich bald auch die Unterlagen dazu) sollten auf con-takt.ch zu finden sein. Besonders interessant war die Vorstellung vom LARP “Transit”, die Anleitung zum modifizieren von Nerf-Waffen und ‘Schränken die CH-Lokationen “Pfadiheime” die Larp-Weiterentwicklung ein?’, plus in der gleichen Stossrichtung den ad-hoc Vortrag von Kendra über den “LARP mixing desk”.

Kurz vorher dem Con-Takt ist das hier aufgetaucht: College of Wizardry – Documentary. Die Dokumentation über ein Harry Potter LARP in Polen. Dazu gibt es noch Behind the scenes of the larp College of Wizardry with organizer Claus Raasted und Claus Raasted: On hyping larps (for Mittelpunkt 2014). Das letzte davon ist ganz offensichtlich auf LARP Organisatoren in Deutschland, spezifisch auf diejenigen auf dem MittelPunkt gerichtet.

Und ein paar der Sachen betreffen uns in der Schweiz genauso. Vor allem “2. Tell us that it’s cool” und “5. Tell us what’s going to happen”. Das, und obig erwähnte Vorträge zur LARP-Theorie haben für extrem viel Gesprächsstoff gesorgt.

Wir haben angefangen uns bewusst zu werden dass wir an sehr viel mehr Stellen herumschrauben können. Zum Teil haben wir das vorher schon gemacht, aber es war uns eigentlich nicht wirklich klar was wir da eigentlich tun. Seit jeher war das LARP in der Deutschschweiz zum Beispiel sehr Regelarm, und in den 90ern vielen immer mehr Regeln unter den Tisch, so dass wir zu den Vorreitern von “Du Kannst Was Du Darstellen Kannst” oder teilweise auch “Du Kannst Was Du Kannst”-Bewegung gehört haben, zu einer Zeit in der in Deutschland noch massive Regelsysteme mit Erfahrungspunkten der Usus war. Auch dass die Spielleitung in unauffälligen Rollen mitspielt war eigentlich immer so. Und ganz viele solche Sachen haben wir auch nicht öffentlich kommuniziert; es war so selbstverständlich dass man erst begriffen hat dass es anders sein könnte wenn man auf Spiele in Deutschland ging.

In dem Zusammenhang haben wir auch über den larpkalender.ch gesprochen, einer dessen Betreiber ich ja bin, und wie wir Spielern, prospektiven Spielern und Orgas helfen können. Ideen sind Location-Datenbank, Orgas in Reviews dazu zu bringen Felder wie “Was war unser Ziel des Spiels” und “Wie wollten wir das erreichen” auszufüllen sowie ganz allgemein besser darüber zu informieren was wir eigentlich tun.

Ich glaube wir können als Fazit vor allem diese beiden Punkte aufführen:

a) Wir können viel mehr machen als uns bewusst war; und manchmal haben wir das sogar getan, aber da ist immer noch eine Welt von Möglichkeiten die wir noch nie ausprobiert haben.

b) Wir sprechen zu wenig darüber was wir tun. Diskussionen finden immer noch in geschlossenen Foren statt, und wir sagen prospektiven Spielern eigentlich gar nicht was wir da tun. Wenn im Larpkalender jemand nachfragt und die Antwort “Standard Fantasy” bekommt, dann weis man trotzdem nicht was denn der “Standard” sein könnte, ausser man war schon mal an einem Spiel.

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