{"id":30,"date":"2007-10-28T11:36:56","date_gmt":"2007-10-28T10:36:56","guid":{"rendered":"\/Blog\/?p=30"},"modified":"2010-06-04T12:14:10","modified_gmt":"2010-06-04T11:14:10","slug":"gesundheits-planwirtschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seegras.discordia.ch\/Blog\/gesundheits-planwirtschaft\/","title":{"rendered":"Gesundheits-Planwirtschaft"},"content":{"rendered":"<p>Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, und mit Ihnen kommen diverse L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge die sich entweder in Missachtung der tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnde daf\u00fcr oder aber mindestens an Absurdit\u00e4t zu \u00fcberbieten suchen. <\/p>\n<p>Auszumachen sind als tats\u00e4chliche Gr\u00fcnde vorallem folgende Dinge: Gesteigertes Krankheitsbewusstsein (man geht \u00f6fter zum Arzt, wegen geringereren Problemen); erh\u00f6hte Rate gesundheitlicher Probleme aufgrund  variabler gestiegener Umweltkontamination (Allergene, resistente Bakterien aufgrund Antibiotika-Einsatzes in der Landwirtschaft usf.); ver\u00e4nderte Altersstrukur; sowie als grosser Faktor, garantierte Monopole f\u00fcr die Pharma-Branche. Die Gewichtung dieser Faktoren bedarf durchaus noch weiterer Untersuchung, und es ist auch m\u00f6glich dass sich da noch weitere ausmachen lassen. Aber interessant sind vorallem die momentan propagierten &#8220;L\u00f6sungen&#8221; die sich nur mit kompletter Verleugnung der Realit\u00e4t erkl\u00e4ren lassen. <\/p>\n<p><strong>Unfreie Arztwahl<\/strong><\/p>\n<p>Da wurde zum Beispiel der Vorschlag &#8220;<strong>die freie Arztwahl aufzuheben<\/strong>&#8221; gebracht. Ganz logisch f\u00fchrt das dazu dass die Krankenkassen den \u00c4rzten die Preise diktieren, wer sich nicht an deren Tarife halten will fliegt raus und bekommt nur noch diejenigen die es sich leisten k\u00f6nnen. Mittelfristig entwickelt sich eine Zweiklassenmedizin. Aber es kommt noch besser, l\u00e4ngerfristig geraten alle \u00c4rzte unter diesen Druck, was effektiv dazu f\u00fchrt dass die Krankenkassen die \u00c4rzte komplett kontrollieren. Wir haben ein Monopol der Krankenkassen auf die \u00c4rzte, nicht viel anderes als eine Planwirtschaft. <\/p>\n<p>Diese Gesundheits-Planwirtschaft durfte ich pers\u00f6nlich schon erleben, sie nennt sich &#8220;Schulzahn\u00e4rzte&#8221;. Dabei werden die Sch\u00fcler arbitr\u00e4r einem Zahnarzt zugewiesen der denen einmal im Jahr das Gebiss untersucht, und ebenso arbitr\u00e4r Karies findet. Nachdem ich wegen 3 dieser &#8220;L\u00f6cher&#8221; aufgeboten wurde lies mich dieser Schulzahnarzt eine Stunde warten, als ich endlich zu fragen wagte was denn los sei, kanzelte er mich ab, worauf ich die Praxis verlies. Das beste was ich tun konnte. 15 Jahre sp\u00e4ter hatte ich immer noch keine Karies. <\/p>\n<p>Und heute habe ich ebenfalls so einen Vorgeschmack auf eine derartige Planwirschaft erhalten, in Form eines Briefs von einer Zahnarztpraxis:<\/p>\n<blockquote><p>Um Z\u00e4hne und Zahnfleisch gesund zu erhalten, ist eine regelm\u00e4ssige Kontrolle und periodische Zahnreinigung in der zahn\u00e4rztlichen Praxis erforderlich. <\/p>\n<p>Wie vereinbart m\u00f6chten wir Sie daran erinnern, dass diese Massnahmen in den kommenden Wochen wieder f\u00e4llig werden. F\u00fcr die Vereinbarung eines Termines k\u00f6nnen Sie bei uns unter der Telefonnummer 0444 XXX XX XX anrufen. <\/p><\/blockquote>\n<p>Nat\u00fcrlich habe ich da nichts vereinbart, tats\u00e4chlich war ich in dieser Praxis nur einmal wegen eines Notfalls. <\/p>\n<p>Wir k\u00f6nnen uns also darauf freuen zu unserem zugewiesenen Arzt zitiert zu werden, welcher dann seine zugewiesene Kostenquote zufallsm\u00e4ssig \u00fcber seine Patienten verteilt. <\/p>\n<p><strong>Kurpfuscher aus dem Mittelalter<\/strong><\/p>\n<p>Im sp\u00e4ten Mittelalter stellte man fest, dass da diverse \u00c4rzte auf Europas Strassen unterwegs waren, die nicht nur diagnostizierten, sondern gleich Ihr Wundermittel eigener Produktion verkauft haben. Man stellte sich also die Frage wie man dieser rampanten Kurpfuscherei habhaft werden k\u00f6nne, und kam mit einer L\u00f6sung: \u00c4rzte d\u00fcrfen keine Medikamente verkaufen, sondern nur Rezepte ausstellen die eine unabh\u00e4ngige Kontrollinstanz ausf\u00fchrt und abgibt. Da man gerade eben kein Amt f\u00fcr Medikamentenkontrolle hatte, und auch keine langwierigen Verfahren um Medikamente freizugeben, und sowieso das ganze wenig Standardisiert war, gab man das Monopol Medikamente zu verkaufen an die Apotheken. <\/p>\n<p>Die Apotheken haben dieses Monopol nat\u00fcrlich nun immer noch, obwohl die Kontrolle \u00fcber Medikamentfreigaben schon l\u00e4ngst staatlichen Stellen obliegt. Das ist ja wundersch\u00f6n traditionell, diese Zunftmonopole, aber ich glaube nicht dass IKEA-Mitarbeiter immer noch in der Tischlerzunft sein m\u00fcssen um M\u00f6bel zu verkaufen. <\/p>\n<p>Mit anderen Worten: Wir haben da ein Monopol aus dem Mittelalter erhalten welches mittlerweile nicht nur obsolet ist, sondern vorallem auch teuer. Der Arzt muss zur Nothilfe ja sowieso Medikamente vorhalten, wieso soll er die nicht verkaufen? Es ist ja nicht so dass er da selber &#8220;Hausmittelchen&#8221; erstellen w\u00fcrde die er dann verkauft. Und warum soll da eine zus\u00e4tzliche Kontrolle durch den Apotheker stattfinden, die Medikamente wurden schon durch den Staat gepr\u00fcft (und dessen Resourcen hat der Aptheker nicht) und durch den Arzt verordnet (und dessen Diagnose kann der Apotheker auch nicht stellen). <\/p>\n<p>Wir haben also wegen irgendwelcher mittelalterlichen Kurpfuschern immer noch ein Monopol der Medikamentenabgabe f\u00fcr Apotheken. Und wie jedes Monopol kostet auch dieses. <\/p>\n<p><strong>Renten f\u00fcr Pharmariesen<\/strong><\/p>\n<p>Vermutlich hat noch kaum jemand das \u00fcberhaupt in Relation mit den Gesundheitskosten gesehen, ganz sicher nicht der Bundesrat welcher neuerdings auch Patente auf Gensequenzen zul\u00e4sst, aber ein grosser Teil der Gesundheitskosten machen Medikamente aus, und ein \u00fcberw\u00e4ltigender Teil dieser Kosten wird mittels Monopolen, in diesem Fall Patenten, garantiert. <\/p>\n<p>Der Staat hat es der Pharma-Industrie erlaubt gnadenlos gr\u00f6ssenordnung 20-30% s\u00e4mtlicher Kosten im Gesundheitswesen als Rente einzusacken, indem er sukzessive Patente auf Prozesse (1954), Patente auf Produkte (1977) und nun Patente auf Gensequenzen (2006) garantiert hat. <\/p>\n<p>\u00dcber irgendwelche Innovationsf\u00f6rdernden Eigenschaften von Patenten m\u00fcssen wir gar nicht diskutieren; dieser Nachweis wurde nie irgendwann auch nur f\u00fcr irgendwelche Industriebereiche erbracht. Im Bereich Software\/Prozesse wurde hingegen schon nachgewiesen dass Patente Innovationssch\u00e4digend sind; der Nutzen von Patenten ganz generell ist also eher zweifelhaft. Was Patente hingegen unbestritten tun ist ein Monopol bieten, und es w\u00e4re etwas ganz neues wenn Monopole pl\u00f6tzlich zur Kostensenkung f\u00fchren w\u00fcrden. <\/p>\n<p>Was auch immer man tun m\u00f6chte um die Kosten im Gesundheitswesen zu senken, ganz sicher ist es falsch der Pharmaindustrie noch mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr Patente zu garantieren. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Kosten im Gesundheitswesen steigen, und mit Ihnen kommen diverse L\u00f6sungsvorschl\u00e4ge die sich entweder in Missachtung der tats\u00e4chlichen Gr\u00fcnde daf\u00fcr oder aber mindestens an Absurdit\u00e4t zu \u00fcberbieten suchen. 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