{"id":1211,"date":"1999-05-01T00:00:00","date_gmt":"1999-05-01T00:00:00","guid":{"rendered":"https:\/\/seegras.discordia.ch\/Blog\/?p=1211"},"modified":"2019-01-17T23:28:57","modified_gmt":"2019-01-17T22:28:57","slug":"probleme-mit-domain-namen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/seegras.discordia.ch\/Blog\/probleme-mit-domain-namen\/","title":{"rendered":"Probleme mit Domain-Namen"},"content":{"rendered":"<p><b><i>In diesem Text werden die grundlegenden Probleme rund um Domain-Namen aufgelistet, die Position der SIUG erl\u00e4utert und m\u00f6gliche L\u00f6sungen aufgezeigt.<\/i><\/b><\/p>\n<p>Domains sind einerseits Adresse, andererseits auch ein<br \/>\nIdentifikationsmerkmal. Die Adresse wird umso einfacher gefunden je einpr\u00e4gsamer sie ist oder je besser sie mit der gesuchten Materie korreliert. Es ist deshalb n\u00fctzlich einen aussagekr\u00e4ftigen oder mit dem Firmen- oder Privatnamen korrelierenden Domainnamen zu haben. Nun gibt es zwar verschiedene Top-Level-Domains (kurz: TLD; wie zum Beispiel .com, .de oder .ch) aber in jeder TLD kann eine Subdomain nur einmal existieren. Dadurch dass es tausende von gleichnamigen Leuten und Firmen (sowie international t\u00e4tige Entit\u00e4ten, die nun in jedem Land eine Domain haben m\u00f6chten) gibt, sind Domainnamen durchaus knapp.<\/p>\n<p>In den letzten Jahren sind im Internet das Cybersquatting und die Domainpiraterie in Mode gekommen. Dabei geht es im einen Fall darum, beliebte Domainnamen, oder Domainnamen von denen man erwarten kann dass sie beliebt werden, zu besetzen respektive im anderen Fall, Domainnamen an denen man glaubt ein Anrecht zu haben anderen Haltern abzujagen. Dabei kann man generell die obgenannten zwei Arten unterscheiden. Einerseits das Besetzen von Domains (Domainsquatting oder Cybersquatting) und andererseits das Abjagen schon besetzter Domains von anderen Haltern (Domainpiraterie).<\/p>\n<h2>1. Cybersquatting<\/h2>\n<h3>1.1. Besetzen benachbarter Domains<\/h3>\n<p>Darunter versteht man das Besetzen von Domains die irgendetwas mit einem speziellen Gesch\u00e4fts- oder Interessegebiet zu tun haben in der die betreffende Firma t\u00e4tig ist. Eine Suche nach .ch- und .li-domains rund um Sicherheit resultiert zum Beispiel in 25 Domains die alle derselben Firma geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Der Punkt hier ist, dass man anderen Firmen im gleichen Marktsegment die Internetpr\u00e4senz unter einem aussagekr\u00e4ftigen Namen erschwert oder sp\u00e4ter andere Firmen untervermieten kann.<br \/>\nDas ganze zeigt schlechten Stil, Missachtung der Netiquette und  macht generell einen schlechten Eindruck; ist allerdings auch als nicht sehr relevant einzustufen.<\/p>\n<p><i><b>Wir wollen unter den Betreffenden Firmen das Bewusstsein wecken, dass derartige Praxis als stillos betrachtet wird sobald es im gr\u00f6sseren Rahmen (mehr als 3-4 Domains) auftritt.<\/b><\/i><\/p>\n<h3>1.2. Besetzen von &#8220;Common Use&#8221; Domainnamen<\/h3>\n<p>Dabei werden Domains registriert die man nicht selbst nutzen will sondern die man nachher weiterverkaufen m\u00f6chte.<\/p>\n<p><i><b>Wir sprechen uns gegen diesen offensichtlichen Missbrauch aus. Es geht hier nur um Domainhandel, sondern darum mit m\u00f6glichst kleinem Effort maximale Geldsummen herauszuholen. Wir sprechen uns auch daf\u00fcr aus, dass man Domains in Zukunft nicht mehr als Inaktiv registrieren kann; dadurch steigt die finanzielle und\/oder technische H\u00fcrde Domains zu registrieren (Man ben\u00f6tigt dazu zwei DNS-Server die st\u00e4ndig im Internet sind). <\/b><\/i><\/p>\n<h3>1.3. Vorbesetzen von Domainnamen<\/h3>\n<p>Darunter versteht man die Besetzung von Domainnamen von denen man erwarten kann dass sie in Zukunft gebraucht werden k\u00f6nnten oder wo klar anzunehmen ist, dass eine Firma, die noch nicht im Internet ist, diese sp\u00e4ter brauchen k\u00f6nnte. Ein Beispiel war die Registrierung der Domain &#8220;novartis.ch&#8221; durch eine offenbar gutinformierte Privatperson bevor die Fusion von Ciba und Sandoz bekannt wurde. Die Domain wurde dann der Greenpeace zur Verf\u00fcgung gestellt und geh\u00f6rt heute der Novartis. Ein anderes Beispiel ist &#8220;altavista.com&#8221;, welche von einer Firma benutzt wurde, lange bevor die Suchmaschine &#8220;Altavista&#8221; bekannt wurde.<\/p>\n<p><i><b>Dieser Punkt ist sehr heikel, da man manchmal sehr schlecht entscheiden kann, ob hinter der Domainregistrierung nur die Verkaufs- oder Vorbesetzungsabsicht besteht oder ob diese aus anderen Gr\u00fcnden registriert wurde. Im Zweifelsfall ist &#8220;first-comes-first&#8221; anzunehmen. Siehe auch 2.2.<\/b><\/i><\/p>\n<h3>1.4. Besetzen von Typos<\/h3>\n<p>Die Idee dahinter ist, dass man eine Domain registriert, die einer anderen (bekannten) Domain derart \u00e4hnlich sieht, dass ein kleiner Rechtschreibefehler gen\u00fcgt um auf der falschen Seite zu landen. Als Beispiel sei hier &#8220;netcape.com&#8221; angef\u00fchrt, eine Sexsite die vermutlich davon profitiert, dass &#8220;netscape.com&#8221;<br \/>\nab und zu falsch geschrieben wird. Dasselbe mit &#8220;whitehouse.com&#8221;, dass im Gegensatz zu &#8220;whitehouse.gov&#8221; durchaus nichts mit der US-Amerikanischen Regierung zu tun hat.<\/p>\n<p><i><b>Wir sprechen uns nicht dagegen aus, begr\u00fcssen es aber,<br \/>\nwenn die Site jeweils einen Hinweis enth\u00e4lt dass dies eventuell<br \/>\nnicht die gesuchte Site sei und auf die andere verweist; vorallem dann, wenn die beiden Sites sich im selben Marktsegment bewegen. Ein Verbot solcher Registrierungen w\u00fcrde dem Geist des Internets sehr zuwiederlaufen und w\u00fcrde auch die Redefreiheit einschr\u00e4nken. Sehr viele parodische oder satirische Seiten benutzen leicht abgewandelte Namen der<br \/>\nDomains die sie kritisieren.<\/b><\/i><\/p>\n<h2>2. Domainpiraterie<\/h2>\n<h3>2.1. Trademarks<\/h3>\n<p>Trademarks, sofern sie Weltweit g\u00fcltig sind, beziehen sich nur auf eine bestimmte Produktekategorie. Microsoft Software und Microsoft Fasern sind durchaus nicht dasselbe existieren aber beide. Domains wiederum sind keine Trademarks, sondern Adressen. Genausowenig wie eine Firma anrecht auf eine bestimmte Strassenadresse hat, existiert ein anrecht auf eine bestimmte Internetadresse. Speziell dann nicht, wenn es um verschiedene Top-Level Domains (TLDs) geht. So ist eine .com-Domain etwas ganz anderes als eine .net-Domain und das wiederum etwas anderes als eine .ch-Domain. Das halten einer bestimmten Domain unter einer bestimmten TLD gibt \u00fcberhaupt kein Recht an Domains in anderen TLDs. Auch hat eine Meyer AG durchaus nicht<br \/>\nmehr Rechte an einer meyer-Domain als irgendeine Privateperson namens Meyer.<\/p>\n<p><i><b>Trademarks k\u00f6nnen bei Domainstreitigkeiten ber\u00fccksichtigt werden, sollten aber nie vor pers\u00f6nliches Recht treten. Es gilt in derartigen F\u00e4llen herauszufinden, ob der Angeklagte die Domain nur aus dem einzigen Grund registriert hat der Firma ins Gehege zu treten; in anderen F\u00e4len sollte davon Abstand genommen werden die Domain dem Ankl\u00e4ger zuzusprechen<\/b><\/i><\/p>\n<h3>2.2. &#8220;Common Knowledge&#8221;<\/h3>\n<p>Firmen haben manchmal die merkw\u00fcdigsten Vorstellungen was mit Ihrem Namen assoziiert wird. So hat ein Amerikanischer Cartoon-Konzern versucht die Domain &#8220;veronica.org&#8221;, die einem kleinen M\u00e4dchen namens Veronica geschenkt wurde, abzunehmen, weil eine Cartoonfigur des Konzerns Veronica heisst (siehe <a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/19990427050501\/https:\/\/veronica.org\/\">veronica.org<\/a>).<br \/>\nAusser in Amerika kennt niemand diese Figur, und alte Internethasen w\u00fcrden Veronica eher mit einer alten Suchmaschine (um ca. 1994) assoziieren. Ein weiteres Beispiel sind &#8220;ajax.org&#8221; und &#8220;ajax.net&#8221;. Die Assoziation mit einem Putzmittel muss durchaus nicht gegeben sein, schliesslich ist Ajax ein Held aus der griechischen Mythologie. Selbst von allgemein bekannten Namen kann man nicht einfach annehmen, dass<br \/>\ndiese auf die eigene Marke referenzieren. &#8220;cola.ch&#8221; k\u00f6nnte z.b. f\u00fcr eines der zig -cola-Getr\u00e4nke stehen oder auch f\u00fcr eine Abk\u00fcrzung wie z.b. comp.os.linux.announce.<\/p>\n<p><i><b>Wir sind der Meinung, dass eine allgemeine Assoziation mit einem bekannten Namen durchaus kein Recht auf eine bestimmte Domain gibt.<\/b><\/i><\/p>\n<h3>2.3. Typos<\/h3>\n<p>Auch hier gibt es Entit\u00e4ten die gegen die Registranden von Tippfehlern (neudeutsch: Typos) ihrer eigenen Domains losgehen.<\/p>\n<p><i><b>Auch dies muss als Domainpiraterie angesehen werden. Oft gibt es Verballhornungen einer bestimmten Domain, die den Halter der Originaldomain kritisieren (Beispiel: <i>balcab.ch<\/i> (jetzt UPC) und <i>balcrap.ch<\/i>, wobei hier tats\u00e4chlich sogar von &#8220;balcab.ch&#8221; auf &#8220;balcrap.ch&#8221; verwiesen wurde); gerichtliche Verf\u00fcgungen w\u00fcrden hier einer Verletzung der Redefreiheit entsprechen.<br \/>\n<\/b><\/i><\/p>\n<h3>2.4. Vorgehen<\/h3>\n<p>Im allgemeinen arbeiten Domainpiraten damit, dass sie die Halter unter Androhung von Gerichtsverfahren unter Druck setzen. Hilfreich sind hier durchaus auch die Unklarheiten internationalen Rechts. Es sind auch schon F\u00e4lle bekanntgeworden, in denen der Halter \u00fcbert\u00f6lpelt wurde, indem ein anderer sich sozusagen &#8220;im Namen des Halters&#8221; als Domaineigner eingetragen hat. Ebenfalls gab es schon Versuche mit gef\u00e4lschten Modifikationsauftr\u00e4gen an die Registraturstellen um Domains umzuregistrieren. Im Falle gef\u00e4lschter Auftr\u00e4ge d\u00fcrfte der Fall klar sein wer hier unrechtm\u00e4ssig handelt. Sobald aber in anderen F\u00e4llen die Justiz ins Spiel kommt wird es problematisch, weil hier die finanziellen M\u00f6glichkeiten entscheidend werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<h2>3. Streitfall<\/h2>\n<h3>3.1. Wer ist Wer?<\/h3>\n<p>Es ist nicht immer leicht ersichtlich, ob das Opfer der Kl\u00e4ger ist, oder ein Pirat das Gericht als Waffe einsetzt. Auf der einen Seite haben wir entweder den Domainpiraten oder<br \/>\naber den Gesch\u00e4digten, und auf der anderen Seite entweder ein Opfer oder den Cybersquatter. Geht nun ein Gesch\u00e4digter gerechtfertigt auf einen Cybersquatter los um die angeeigneten Domains loszuschlagen, oder ein Domainpirat ungerechtfertigt<br \/>\nauf sein Opfer um ihm mit Gerichtsdruck eine Domain abzunehmen?<\/p>\n<p>Das Problem hier ist, dass Gericht und gerecht zwei verschiedene Dinge sind. Effektiv kann ein gerichtliches Verfahren als Waffe eingesetzt werden um unliebsame Konkurrenten aus dem Weg zu r\u00e4umen. Oftmals ist der Beklagte nicht sehr finanzstark und kann allein schon mit der Androhung<br \/>\neines Verfahrens dazu bewegt werden die Domain zu \u00fcbergeben.<\/p>\n<h3>3.2. Was weis das Gericht?<\/h3>\n<p>Das Problem vigilianten Verhaltens unter Ausnutzung von Gerichten wird dadurch noch versch\u00e4rft, dass die Gerichte einen deutlichen Mangel an Kompetenz bez\u00fcglich neuer Technologien haben und sehr schlecht einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen, um was es eigentlich geht. Oftmals wird dabei der Weg des einfachsten Widerstandes begangen, was heisst dass Firmen und Trademarks der Vorzug gegeben wird. Dazu kommt die unklare Rechtslage bez\u00fcglich des Status einer Domain: Ist es eine Adresse oder<br \/>\nein Markenzeichen?<\/p>\n<p>Markenzeichen k\u00f6nnen nicht universell beansprucht werden sondern sind nur innerhalb eines Marktsegementes g\u00fcltig. Darauf ist bei der Rechtsprechung unbedingt Wert zu legen.<\/p>\n<p>Es gibt auch ca. 200 verschiedene Top-Level Domains. &#8220;.com&#8221; ist gedacht f\u00fcr Amerikanische oder International t\u00e4tige Unternehmen, &#8220;.ch&#8221; f\u00fcr Firmen und Privatpersonen in der Schweiz. Eine International t\u00e4tige Entit\u00e4t kann also durchaus keinen Anspruch auf eine bestimmte &#8220;.ch&#8221;-Domain erheben, die vielleicht schon durch eine in der Schweiz ans\u00e4ssige Entit\u00e4t besetzt ist. Die Idee hinter den verschiedenen TLDs ist ja<br \/>\ngerade die, dass sich verschiedene Entit\u00e4ten denselben Namen teilen k\u00f6nnen, unter einer jeweils anderen TLD.<\/p>\n<p><i><b>Wir m\u00f6chten die Gerichte auffordern der Domainpiraterie nicht unabsichtlich Vorschub zu geben, sondern im Rechtsfall unbedingt zu pr\u00fcfen ob dem Kl\u00e4ger absichtlich Schaden zugef\u00fcgt wird. Falls es um Markenzeichen geht ist zu pr\u00fcfen ob die beiden Parteien \u00fcberhaupt im gleichen Marktsektor t\u00e4tig sind.<\/b><\/i><\/p>\n<h3>4. Referenzen\/Weitergehende Informationen<\/h3>\n<p>http:\/\/www.ajax.org\/ajax\/dda\/ Ajax.org: Domain Defense Advocate<br \/>\n<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/19970708080147\/http:\/\/www.patents.com\/pubs\/jmls.sht\">Patents.com: Remedies in Domain Name Lawsuits: How is a domain name like a cow?<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/19991110225508\/http:\/\/www.nzz.ch\/online\/01_nzz_aktuell\/internet\/internet1999\/netz86.htm\">NZZ Online: Tippfehler-Piraten vor Gericht<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/web.archive.org\/web\/19991127163227\/https:\/\/www.don-henley.com\/domain\/dispute.htm\">don-henley.com: Rockstar seeks to grab domain name from owner<\/a><\/p>\n<p>Peter Keel,<\/p>\n<div id=\"date\">1999-05<\/div>\n<p>00:15 CET by <a href=\"mailto:seegras@discordia.ch\">Peter Keel<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>In diesem Text werden die grundlegenden Probleme rund um Domain-Namen aufgelistet, die Position der SIUG erl\u00e4utert und m\u00f6gliche L\u00f6sungen aufgezeigt. 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