Schwarzkopien und Marktwirtschaft


[Zuerst erschienen auf symlink.ch]

Der wichtigste Punkt an der ganzen Sache ist der, dass Schwarzkopien effektiv in Konkurrenz zu legal erworbenen Kopien steht.

Der Kampf gegen Schwarzkopien kann also eigentlich nur mit marktwirtschaftlichen Mitteln gewonnen werden, und weder mit legalen noch mit technischen Massnahmen. Das einzige was hilft ist den Markt für Schwarzkopien auszutrocknen, respektive unattraktiv zu machen. Es muss einerseits mühsamer sein eine Schwarzkopie zu bekommen, und andererseits darf diese nicht Mehrwert besitzen.

Ein frei kopierbares MP3-File hat gegenüber einem Kopiergeschützten WMA-File einen deutlichen Mehrwert; ein DIVX hat gegenüber einer DVD den Mehrwert dass es weder Regioncode hat, noch 50% der Prozessorleistung für ein Content Scrambling System verbrät. Damit verschiebt DRM den Mehrwert zugunsten von Schwarzkopien und erreicht genau das Gegenteil dessen was beabsichtigt war.

Die einzige Möglichkeit ist also den Erhalt der Werke möglichst einfach zu gestalten, die Bezahlung auch für Kleinstbeträge einfach und auch Anonym zu ermöglichen (Weil die Aufgabe von Anonymität auch schon wieder den Mehrwert verringert!), keine Kopierschutzmassnahmen einzubauen, einen vernünftige Preisgestaltung zu betreiben und nach Möglichkeit zusätzlichen Mehrwert zu bieten (Beispiele sind schöne Booklets für CDs, sehr gute Qualität für DVDs, Surround-Sound bei DVDs etc.)

Der Kampf gegen Tauschbörsen kann erfolgreich sein, aber nur dann wenn der Leidensdruck für die Benutzung einer Tauschbörse (lange Downloadzeiten, unbekannte Qualität der Files) grösser ist als der Mehrwert den die Schwarzkopien gegenüber einer legal erworbenen Kopie bieten können.

Dazu ist es aber allererstens notwendig dass die Inhaltsanbieter abstand von Kopierschutzmassnahmen und DRM nehmen; selber anfangen die Inhalte zum Download anzubieten (und zwar Weltweit; soweit die Rechte verzettelt sind müssen die eben gesammelt werden, aber das ist ein Problem der Anbieter) und geeignete Zahlungssysteme unterstützen (z.b. eCash).

Sobald genügend gute Alternativen existieren kann dann auch mit dem ganz normalen Urheberrechtsgesetz gegen die Tauschbörsen vorgegangen werden. Einerseits machen sich ja nur die Anbieter von Schwarzkopien strafbar (was den Kreis der belangbaren Leute verringert), und andererseits ist zu erwarten dass die "Kundschaft" von P2P-Tauschbörsen zurückgeht sobald geeignete, sprich Konkurrenzfähige, legale Angebote existieren. Damit verringern sich dann die Anbieterzahl von Schwarzkopien auf ein Niveau, das entweder legal in den Griff zu bekommen ist, oder aber deren Aktionen unter "Werbemassnahmen" verbucht werden können.

Die Tauschbörsen können von den Anbietern als Barometer benutzt werden: Wenn viele Leute Schwarzkopien tauschen, dann ist das legale Angebot zu schlecht. Ganz einfach.

Peter Keel, 25.11.2002